Metamorfose og formdualisme i Zemlinskys 2. strygekvartet op. IS
Abstract
Metamorphose und Formdualismus in Zemlinskys 2. Streichquartett Op. 1S
Die Form des zweiten Streichquartetts von Zemlinsky (1916 erschienen) enthält Züge, die sowohl zukünftlich in die Richtung des Modernismus deuten als auch rückwärts in das 19. Jahrh. schauen. Das Werk ist deshalb als Übergangswerk zwischen Klassik/Romantik und Moderne aufzufassen, und das Ergebnis eines Studiums dieser Musik dient dem Verständnis dieser Übergänge, sowohl was die Form im Großen als auch die thematische Arbeit im Kleinen betreffen. Die äußere musikalische Gestik im Laufe vom Werk zeigt wechselnde Züge eines klassischen Formbewußtseins: Sonate, Scherzo und Finale. Das Werk ist dreiteilig, und diese Namen sind eher Bezeichnungen musikalischer Charakterangelegenheiten als genaue Folgen der klassischen Formenlehre aufzufassen, und stellt insofern eine moderne Behandlung des musikalschen Erbgutes dar.
Wenn wir die thematische Arbeit betrachten, entdecken wir auch Züge, die in beide geschichtliche Richtungen deuten. Das Werk wird mit einem Motiv a (T. 1, 1. Vl.) eröffnet. Dieses Motiv ist Kern des folgenden musikalischen Verlaufes, und dem folgt später ein Motiv b (Z. 16, T. 1, 1. Vl.), das sequenziert sich zu einem vollen Thema entwickelt. Der elegische Ton dieses Themas entspricht dem Modell eines spätromantischen Seitensatzes. Die beiden Motive verschmelzen Z. 37, T. 1, 1. Vl.. und gehen dadurch einer Metamorphose im modernen Sinne ein.
Vom Motiv a ist das Scherzothema a (Z. 46, T. 1, Br.) abgeleitet, und dem folgt ein rytmisches zweites Scherzothema ß (Z. 56, T. 1, 1. Vl. und Z. 65, T. 1, Cl.). Der Keim dieses Themas ist schon in der ersten Durchführung von Motiv a zu sehen (Z. 11), und zwei verschiedene Ableitungen desselben Motivkerns entwickeln sich beide zu einem Grade einer Selbständigkeit, daß sie um Z. 65 imstande sind, sowohl Stimme als auch unabhängige Gegenstimme auszumachen.
Im Laufe vom Werk ist der Motivkern a Gegenstand einer Reihe von Variationen, die die wohlbekannten klassischen Rahmen hiervon durchdringen und damit sprengen. Die thematische Entwicklung des Motiv a's hat immer fernere Ziele, und neue thematische Ableitungen tauchen mit einer neuen musikalischen Identität immer auf. Diese Reihe sieht folgendermaßen aus: Exposition Z. 1-19, 1. Var. Z. 31-43, 2. Var. Z. 46-77, 3. Var. Z. 83-90, 4. Var. Z. 97-110, 5. Var. Z. 115-131, 6. Var. & Koda Z. 134-142. Um den musikalschen Grundstruktur von Motiv a nicht zu verlieren, wird Motiv a in seiner ursprünglichen Form gebracht als Zwischenspiele oder Zäsure in der musikalischen Entwicklung. Das Motiv dient im Werk sowohl als Ausgangspunkt der thematischen Arbeit als auch als Baupfeiler der ganzen Konstruktion. Am Ende geht das Motiv in Auflösung und im Charakter erreicht es dadurch eine Verinnerlichung im Mahler'schen Sinne. Wenn wir die gesammte Form betrachten sehen wir ein modernes dualistisches Formprinzip: Eine Folge von drei klassischen Sätzen - Eine Reihe von Variationen.