Kuhlaus klaversonater og -sonatiner

Authors

  • Gorm Busk

Abstract

Die 38 Klaviersonaten und -sonatinen des in Deutschland geborenen, aber ab 1810 in Dänemark wirkenden Komponisten Friedrich Kuhlau (1786-1832) stellen den bedeutungsvollsten Teil seiner umfangreichen Produktion von Klaviermusik dar (die mehr als die Halfte seines gesammten Schaffens ausmacht). Diese Werke nehmen nicht nur einen wichtigen Platz in der dänischen Klaviermusik ein, sondern sie bilden zugleich einen bedeutenden Teil der Klavierkompositionen jener Zeit. Kuhlaus kleinere für den Unterricht bestimmten Sonaten und Sonatinen haben ihm daneben einen festen – wenn auch bescheidenen – Platz in der Geschichte der Klaviermusik gesichert, und zwar bis auf den heutigen Tag.

Kuhlaus Klaviersonaten und -sonatinen werden in diesem Artikel gemeinsam behandelt, weil die Grenzen zwischen ihnen ziemlich fliessend sind. Seine kleinen Sonaten Op. 59 und 60 wurden zum Beispiel als eine progressive Fortschreibung seiner Sonatinen Op. 55 konzipiert und werden noch immer als "Sonatinen" herausgegeben, andererseits haben andere kleinere Sonatenwerke das Format und die Schwierigkeit von Sonatinen.

Kuhlau ist hauptsächlich nur als Komponist von Sonatinen bekannt, In seiner Jugend indes fing er mit grossen, virtuosen und kunstvoll ausgearbeiteten Sonaten an, die ihn als einen gründlichen Kenner der Möglichkeiten des Klaviers zeigen. Die Vorbilder dieser und späterer Sonaten sind bei Haydn, Clementi, Mozart und besonders Beethoven zu suchen. Anregungen bezog er auch von anderen grossen Klavier-Komponisten seiner Zeit, namentlich von J.L. Dussek und J.B. Cramer. Von den 7 grossen Sonaten aus den Jahren 1810-15 zeigen die beiden ersten Op. 4 und 5 (Notenbeispiele 1-4) Beethovensche Einflüsse, die 3 Sonaten Op. 6 (Notenbeispiele 5-12) solche von Mozart und Haydn und die Sonate Op. 8 (Notenbeispiele 13-17) von Clementi. Einige enthalten pianistische Experimente, z.B. der langsame Satz von Op. 6,2, vielleicht das erste Stück in der Geschichte der Musik für die linken Hand allein (Notenbeispiel 11) Die Sonate in Es-Dur von 1815 (Notenbeispiele 18-19), die erst nach Kuhlaus Tode als Op. 127 erschienen ist, zeigt eine Wandlung gegenüber dem mehr leichtfliessenden virtuosen Zeitstil, der seine künftigen Werken bestimmen wird. Erstmals aber mit den 3 Sonatinen Op. 20 (von Kuhlau selbst "kleine Sonaten" genannt) schlug er den Weg zu einem ganz einfachen, leicht zu spielenden Stil ein. Die folgenden Sonaten Op. 26 (1-3), 30, 34,46 (1-3) und 52 (1-3) (Notenbeispiele 23-30) haben in der Regel ein umfängliches Format, die Schubert nahestehende Sonate Op. 30 in 4 Satzen ist dergestalt Kuhlaus grösstes Klavierwerk. Zuerst in den kleineren Werken der letzten Sammiungen Op. 55 (1-6 = Sonatinen) ist der didaktische Zweck ganz deutlich.

Kuhlau geht in Vergleich zu den meisten Komponisten seiner Zeit somit den entgegengesetzten Weg: Von den grossen, komplizierten Konzertsonaten ("grandes") zu den kleineren unkomplizierten Sonaten und Sonatinen; eine Entwicklung, die hauptsachlich von Forderungen der Verleger bestimmt war, obwohl man nicht ausschliessen kann, dass Kuhlau selbst der Meinung war, ein leichterer Stil auf diesem Gebiet liege vielleicht doch seiner künstlerischen Natur naher.

Die Sonaten von Op. 127 an zeigen jedenfalls immer personlichere Züge. Zu erwähnen ist ferner, dass ein manchmal orchestral wirkender - obwohl ganz klaviermässig ausgestaltener - Klaviersatz bereits in den Jugendsonaten vorkommt (Notenbeispiele 3, 20, 26). Charakteristisch in melodischer Hinsicht sind: 1.) Ein Melodietypus, auf der Terz beginnend, zur Dominante auf- und zur Tonika absteigend beeinflusst von der Melodik des Priestermarschs zu Beginn des zweiten Akts von Mozarts "Die Zauberflöte". Er wiederum bildet die Vorlage für die Variationen des Finales von Op. 6, 3. 2.) Eine aufsteigende Dreiklangsmelodik, auf der Terz beginnend (Notenbeispiel 30). 3.) Ein Thementypus mit der Melodie in langen Noten, Choral- Thema genannt (Notenbeispiel 22). Charakteristisch in harmonischer Hinsicht sind: 1.) Die als "Teufelsmühle" bezeichnete Sequenzierungsform (Notenbeispiel 17). 2.) Eine fallende Sequenzierung mit Querstand verursachenden tonalen Rückungen (Notenbeispiel 18). 3.) Das Modell für viele, besonders einleitende Themen: Tonika/Subdominante mit beigefügter Sexte/Dominant/Tonika, oft über einem Tonika-Orgelpunkt (Notenbeispiele 19, 24, 27, 30). Bezeichnend für die formale Anlage sind schliesslich: Erste Satze und namentlich Finalerondos mit unvollständiger Reprise, womit gemeint ist, dass der Beginn des Expositionsteils (also der Hauptsatz und zuweilen etwas von der nachfolgenden Überleitung) in der Reprise weggelassen wird. Zwei langsame Sätze haben eine für Kuhlau spezifische Gliederung in zwei gleichgrosse und musikalisch selbstandige Teile in Moll und in dessen Durvariante, z.B. das Larghetto von Op. 30 (Notenbeispiel 25-26). Der erste Teil dieses Sätzes hat einen ausgesprochenen dänischen Romanzen-Ton (eine Mollmelodik in einem von Siciliana abgeleiteten punktierten 6/8-Rhythmus). Nicht zuletzt vermögen die zahlreichen Notenbeispiele dieses Artikels Kuhlaus Adaptionstechnik zu veranschaulichen, die man in allen Werkgruppen begegnet und die bei den Kompositionen anderer Meister eine unmittelbare Inspirationsvorgehen bildeten (Notenbeispiel 5: Mozarts a-MolI Klaviersonate K.V. 310, Notenbeispiel 8: Das Fugen-Thema der Ouverture zur "Zauberflote", Notenbeispiel 14: Haydns letzte Klaviersonate Hob. XVI/52, 2. Satz, Notenbeispiel 19: Beethovens As-Dur Klaviersonate Op. 26, l. Satz).

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Published

1992-01-01

How to Cite

Busk, G. (1992). Kuhlaus klaversonater og -sonatiner. Danish Yearbook of Musicology, 19. Retrieved from https://tidsskrift.dk/dym/article/view/165244