1994: Kirkehistoriske Samlinger
Artikler

B. S. Ingemann, Tankebreve fra en Afdød, 1855: Et bidrag til tidens apokalyptiske tænkning.

Publiceret 15.12.1994

Citation/Eksport

Bækdorf, Elna. 1994. “B. S. Ingemann, Tankebreve Fra En Afdød, 1855: Et Bidrag Til Tidens Apokalyptiske tænkning”. Kirkehistoriske Samlinger, december, 35-80. https://tidsskrift.dk/kirkehistoriskesamlinger/article/view/151410.

Resumé

Der dänische romantische Dichter Bernhard Severin Ingemann (1789-1862) hat sich viel mit den Gedanken über das Leben nach dem Tode beschäftigt. Teile seiner Verfasserschaft sind geradezu als apokalyptische Poesie zu bezeichnen. Aus Ingemanns Gedanken und Vorstellungen über das Jenseits fokusiert dieser Artikel auf:

1. Ablebnen der buchstäblichen Auffassung der Auferstehung des Lei-
bes.

2. Ablehnung der ewigen Verdammnis sowie eines bis zum Jüngsten Tag dauernden Schlaf der Seele und der Behauptung, dassjede Seele unmittelbar nach dem Tode in eine läuternde und entwicklende Zwischenzustand hineintritt als Vorbereitung für die ewige Seeligkeit.

Zu 1.
Ein Kommissorium der Kirchenkommission vom 30. Mai 1854 erhielt Ingemann den Auftrag, die letzte Hand auf die Revision eines neuen kirchlichen Gesangbuches zu legen. In dieser Verbindung führte er einen regen Briefwechsel mit dem Bischof über Seeland, H.L. Martensen (1808-1884). In einem Brief (7. Nov. 1854) an den Bischof nennt Ingemann es ‘‘eine dunkle Ecke der Kirche”, dass viele Geistliche immer noch auf eine buchstäbliche Auffassung des Begriffes “Auferstehung der Leichname” bestehen. In dem Brief weist Ingemann auf seinen eigenen versifizierte Katechismus vom selben Jahre “Confirmations-Geschenk. Begleitblätter zur Luthers kleine Catechismus” hin, in welchem er den geistigen Charakter der Aufersteheng besonders betont hat. Ingemanns Ablehnung der buchstäblichen Auffassung der Worte des Apostolicum über die “Auferstehung des Leibes” könnte teoligisches Sprengstoff enthalten, weil diese Worte gerade zu der Zeit erneute Bedeutung erhalten hatte durch N.ES. Grundtvigs (1783-1873) Hervorhebung des Glaubensbekenntnis/Taufbundes als “Das Wort aus des Herrn eigenen Mund”. Schon seit den ersten Tagen Ingemanns Verfasserschaft, gab Grundtvig ihm einen starken Rückhalt und war sein treuer Waffengefährte, wenn die literarische Kritik über ihn herfiel. Der Abschnitt über “Die Auferstehung des Leibes” im “Confirmations-Geschenk”, welcher Ingemann an Grundtvig gesandt hatte mit der Frage, wie Grundtvigs Ansicht über das Buch dachte, tat der langjährigen Freundschaft einen tiefen Abbruch. In dem letzen bekannten Brief(7. Juni 1859) schreibt Grundtvig an Ingemann, dass er nicht mehr eine christliche Gemeinschaft mit ihm pflegen kann, weil Ingemann “Widerwillen gegen die Auferstehung des Fleisches empfindet” welche doch Teil des Gemeinschafts-Glaube der christlichen Gemeinde ist- und daran kann kein einzelnerChrist etwas ändern.

Zu 2.
In dem “Confirmations-Geschenk” spricht Ingemann nicht nur seine Ablehnung der buchstäblichen Auffassung der “Auferstehung des Leibes” aus, sondern auch jedes Reden von einem bis zum Jüngsten Tag dauernden passiven Schlaf der Seele, indem er mit dem Worten “Lehrzustand der Seeligkeit” den Zwischenzustand als eine Lehr - und Entwicklungsphase der Seele beschreibt. Ewige Verdammnis harmoniert bei Ingemann nicht mit dem Gedanken an Gottes Liebe und allgemeine Friedenswille (1. Tim. 2,4. Tit. 2,11.2. Pet. 3,9). Ingemann bekennt sich eher, wie er in mehreren Briefen schreibt, zur Apokatastasis oder die Wiederherstellung aller Dinge (Apg.3.31). In einer nicht gedruckten Handschrift hat Ingemann geschrieben, dass der Mensch bis zum Eintreten der Seeligkeit, eine stufenweise Entwicklung durchmacht, wo das Erdenleben die erste Stufe bildet. Im Gedicht “Holger Danske” (1837) schreibt Ingemann, dass die Möglichkeit besteht, dass wir das auf Erden nicht vollbrachte eventuell jenseits schaffen. Alle diese Gedanken hat Ingemann in seinem grossen Gedicht “Gedanken-Briefe eines Verstorbenen” (1855) gesammelt und ausgelegt. Im Vorwort zu diesen Gedicht weist Ingemann auf mehrere Teologen seiner Zeit hin (Lindberg, Maywahlen, Martensen, Güder), die alle von einem jenseitigen, läuternden und entwicklenden Zwischenzustand sprechen. Ingemann findet es von äusserster Bedeutung diese Lehre ans Licht zu bringen, weil eben diese Lehre “in unserer Kirche auf Grund der Scheu von Seiten der Reformatoren gegenüber des Fegefeuers der Catholiken” fast verschwunden ist. Betreffend der unmittelbaren Übergang in den Zwischenzustand wird auf Jesus’ Worte an den Räuber am Kreuze hingewiesen “heute sollst du mit mir im Paradies sein” (Lukas 23,43) und mit Hinblick auf den Zwischenzustand und die Möglichkeit einer Bekehrung und Entwicklung (oder Verstockung) wird in oben erwähnten teologischen Abhandlungen auf Pet.3,18-20 verwiesen, wo Jesu Niederfahrt ins Totenreich beschrieben ist, und auf seine Predigt an die dort verwahrten Geister. Wie Ingemann im Vorwort schreibt, macht er mit den “Gedankenbriefen eines Verstorbenen” keinen Anspruch darauf eine teologische Lehre zu bringen - er hegt nur die Hoffnung, dass er mit der poetischen Form des Gedichtes, Licht in die dunklen Ecken der Kirche und der Dogmatik bringen kann. Das Gedicht ist in seiner Ausdrucksweise sowohl satirisch als auch homiletisch. Der verstorbenene Briefschreiber ist eines plötzlichen Todes gestorben, während er dabei war, sich eine Zigarre anzuzünden, und als er im Tode “aufwacht”, erfährt er, dass es ein Misverständnis ist, wenn man glaubt, gleich nach dem Tode seelig zu werden. Vielleicht vergehen Jahrtausende vom Todesaugenblick bis zum rechten Tag der Seeligkeit. Man bringt mit sich alle seine selbstzüchtige und ungerechte Taten und muss erst durch eine Hölle geläutert werden, wo im geistigen Sinne der Wurm nie stirbt, und das Feuer nie erlöscht. Der Verstorbene hat eine unglückliche Liebe durchlebt, die erjedoch hinter einer kalten, kritischen und vorwärtsstrebenden Fassade verborgen hielt. Er hat als ein Egoist und Materialist gelebt, aber hier in dem Zwischenzustand, von wo er an einen Freund schreibt, hat er erkannt, dass das wirklich Wertvolles nicht der äussere Erfolg ist, sondern Nächstenliebe. Das stille, unbeachtete Leben, das ohne Ruhm und Berühmtheit in Glaube, Hoffnung und Liebe gelebt wird von sub specie äternitatis grösseren Wert hat als “irdische Unsterblichkeit in Gestalt prunkvoller Grabmäler und muffiger Gedenkschreiben”. Zu Ingemanns Zeit hat man sich viel mit dem Gedanken beschäftigt, dass Menschen sich nach dem Tode wieder treffen und sich im Jenseitigen wieder erkennen. Dieser Gedanke hat zweifelsohne grossen trauerterapeutischen Wert gehabt. Die Vorstellung von dem jenseitigen Wiedersehen finden wir ebenfalls in den “Gedankenbriefen eines Verstorbenen”. Während der Verstorbene im Zwischenzustand geläutert und entwickelt wird, stirbt seine Jugendgeliebte, und sie werden im Gebet vereinigt, obwohl ihr Bedarf an Läuterung und Entwicklung nicht so gross ist wie der seine. Ebenfalls trifft er viele andere Personen aus seiner Vergangenheit und Gegenwart, die ziellos das Totenreich durchsausen, weil sie noch nicht die Hand Gottes erspäht haben, welches ihm selbst in einem Verzweiflungsaugenblick zu Teil wurde, so dass er Ruhe und Sicherheit gewonnen hat. Er hat gesehen wie Christi Blut sich in einen Purpurmantel verwandelt hat, der sowohl seine Schuld wie auch die Schuld aller Welt verbirgt. Bevor es ihm gestattet wurde, in das Paradies zu schauen, hat er in die Tiefen des Reiches der Toten gesehen, wo der Teufel in Verwahrung gesetzt ist, und wo Typen wie Kain, Judas und Nero sich aufhalten, aber selbst für diese Typen besteht eine Hoffnung. Ingemann lässt den verstorbenen Briefschreiber den Zwischenzustand als eine “Himmelsleiter” schildern, von deren obersten Stufe man in das Paradies hineinschauen kann. Der Schluss des Gedichtes, wo er sich zu seinem festen Christus-Glaube bekennt, lautet “Wie Kinder müssen wir uns auf dem Arm des Erlösers wiegen lassen,bevor wir das Paradies der Liebe erreichen.” In dem Freundenscharr Ingemanns wurden die “Gedankenbriefe eines Verstorbenen” positiv aufgenommen, obwohl sein jüngerer Freund, Hans Christian Andersen (1805-75) fand, dass das Gedicht den Wert irdischer Ehre und Rühm verkennt. Die literarischen Kritiker haben die “Gedankenbriefe eines Verstorbenen” totgeschwiegen. Einzige Ausnahme war eine Besprechung (19. Oktober 1855) in “Wochenblatt der Ewangelische Kirche in Dänemark”, worin das Gedicht als apokalyptische Poesie eingestuft wird, d.h. ein Gedicht dessen Handlung im Jenseitigen spielt. In den “Gedankenbriefen eines Verstorbenen” hatte Ingemann, wie viele seiner zeitgenössischen Dichterkollegen, es vorgezogen, seine Botschaft als aus einer Geistligen Welt stammend zu bringen. Das Gedicht muss aus dessen Inhallt sowie mit Hinblick auf die Intentionen des Dichters als ein Exponent der spätromantischen apokalyptischen Denkweise betrachtet werden.